Der Culture Club stellt Künstler und Kreative des 3Ecks vor - Musiker,
Schauspieler, Autoren, Maler und alle anderen, von denen wir glauben,
daß sie in diese Rubrik passen. Auch Platten, Bücher, Filme, die in
irgendeiner Weise mit dem Viertel verbunden sind, gehören hier hinein.
Man wird mit jedem Strich besser
Interview mit dem Cartoonisten Oli Hilbring
Hallo Oli! Wie wird man Comic Zeichner
bzw. Cartoonist?"Ich hab schon als kleiner Jubge immer gezeichnet"
gilt nicht!
Man fängt irgendwann an und wird mit jedem Strich besser. Außerdem
glaub ich das man Talent erbt. Bei mir hat der Opa eindeutig seine Hände
oder Gene im Spiel.
Wo hast du deine ersten cartoons untergebracht?
1992 im Marabo, die älteren Menschen im Ruhrgebiet werden sich
noch erinnern. Nicht an den Cartoon - aber an das Magazin. Heute
zeichnest du unter anderem für die Bermuda3Eck-Homepage. Wo findet
man dich noch?
Für den Reviersport zeichne ich immer Montags einen Fußball
Cartoon, dann gibt es noch eine Serie die sich "Neulich auf Mallorca"
nennt und treffender weise auf mallorca.de ercheint. Und dann fütter
ich noch meinen eigenen Cartoon Blog mit lustigen Ideen.
Apropos lustige Ideen: Mal angenommen, ich gäbe
dir heute Thema XY vor, kann ich dann morgen mit einem Cartoon rechnen?
Kein Problem. Bei der Sportzeitung läuft es ähnlich - in der
Saison gibt es immer immer einen Cartoon zum aktuellen Spieltag. Also
Samstag Nachmittag Fußball gucken, sich was ausdenken und Sonntag
früh ab zur redaktion damit. Diese Ablauf ist zudem eine wunderbare
entschuldigung bei der eigenen Frau um um 15.30 im Stadion sitzen zu
können.
Du hast ausser einem spitzen Stift offensichtlich
ein gutes Gespür für Sprache - viele deiner lustigsten Zeichnungen
bauen auf einem Wortspiel auf, oder?
Ich liebe Wortspiele und bin mir für keinen Kalauer zu schade.
Manchmal sind die Dinger zwar flacher als Holland aber dem ein oder
anderem gefällts.
Ich nehme an, als Cartoonist wird man wohl nur
in eher seltenen Fällen reich. Was macht der Zeichner, wenn er
nicht zeichnet?
Ich schätze das es in Deutschland eine gute Handvoll Zeichner gibt
die von Ihrer Kust allein leben können. Ich bin im echten leben
Creative Director und mache Werbung. Ein Job in dem man nur von Wahnsinnigen
umgeben ist - was aber durchaus positiv zu werten ist - weil jeden Tag
Ideen für neue Cartoons rausspringen.
Und zum Abschluss noch eins: In welchen Bars,
Kneipen und Biergärten holst du dir am liebsten deine Inspirationen
für die Bermuda-Cartoons?
Im grunde mag ich es traditionell und ich vermisse ein bisschen die
Zeit als das Sachs noch eine Mauer hatte. Ich bin ein Kneipenhopper
und die Inspirationsrunden beginnen meistens im Brinkhoffs, führen
über den Freibeuter und enden relativ spät oder auch früh
je nachdem wie man es sieht im Intershop. Aber eigentlich guck ich gern
mal überall vorbei. Also seid vorsichtig was ihr an den Theken
im 3Eck zum besten gebt.
alex milla
Neue E.P.
Unser Mann alex milla hat endlich seine erste Platte
draussen.
Sie enthält die Songs 'Fliegen', 'Barcelona',
'Ans Meer', 'Sommer & Winter' und ist nicht nur in seinem
Online-Shop erhältlich, sondern auch bei iTunes und Amazon
.
Die Platte markiert auch in musikalischer Hinsicht
einen kleinen Wendepunkt in alex' Karriere, geht sie doch ein
wenig weg von den opulenteren, jazzigeren Arrangements früherer
Tage, hin zu einem warmen, erdigen, aber auch sehr offenen, transparenten
Soul-Sound, und rückt ihn so in die musikalische Nachbarschaft
von Leuten wie James Morrison oder Jason Mraz.
Checkt das Baby aus, sagt alex - wir schliessen
uns seinem Wunsch nur zu gern an!
Tommy Finke:
Ich möchte, daß die Leute das hören
Ein Interview zur Veröffentlichung seines Albums"
Poet der Affen/Poet Of The Apes" auf dessen zwei CDs die selben
Songs einmal in deutscher und einmal in englischer Sprache gesungen
werde.
Hast Du zuerst ein Konzept für dein Album
gehabt oder einen Titel?
Ich schreibe Lieder immer nach Titeln.
Das merkt man .
Ja da sind immer sehr sloganhaft.
Aber du hast ein Talent dafür.
Das scheint so zu sein, jedenfalls gefallen mir die Titel immer ganz
gut. Ob das dann anderen Leuten auch gefällt, das kann man eh nicht
vorhersagen. "Poet
Of The Apes" finde ich schon ziemlich grandios als Albumtitel,
oder überhaupt als Motto.
Ich hatte schon die die Idee für dieses zweisprachige Album-Ding,
aber nicht für den Titel "Poet Of The Apes". Irgendwann
vor zwei Jahren haben wir mit ner Band namens Torpedo Monkeys in Essen
in der Zeche Carl gespielt, die haben so Affenmasken getragen. Und auf
der Fahrt dahin kam im Radio die Meldung über den Tod von Charlton
Heston, und WDR 4 - ein Sender, den ich eigentlich nicht so sehr schätze
- hat so ne Filmmusiksendung, da spielen die Abends Musik von allen
Filmen, wo der Schauspieler gerade gestorben ist oder Geburtstag hat.
Die spielten dann natürlich die Musik zu "Planet der Affen"
und durch diesen ganzen Abend hatte ich dann die Idee, das ganze Ding
"Poet der Affen" zu nennen.
Dieses Konzept "zweisprachige Veröffentlichung",
wie bist du darauf gekommen?
Das kam durch diese ganzen Internetgeschichten. Weil halt ständig
Anfragen von Leuten kommen, die die Texte nicht verstehen. Ich komme
natürlich aus der englischen Musik, Beatles und der ganze Kram,
Oasis und so, aber ich selber habe mich immer auf deutsch ausgedrückt,
ausser ganz früher, wenn man anfängt zu schreiben, schreibt
man natürlich auf englisch, kennt man ja nicht anders. Es ist jetzt
nicht so, daß man sagt, aus kommerziellen Gründen sollen
die Leute das verstehen. Das ist übrigens auch der Grund, warum
man beide CDs in einem Album drin findet. Das es nicht heißt,
okay jetzt sind beide einzeln veröffentlicht. Ein kommerzeller
Grund ist es eigentlich nicht, eher einer des Verständnisses.
Ist es denn der gleiche Preis eines Einzelalbums?
Naja, der Preis eines Einzelalbums mit einem ziemlich aufwändigen
Digipack. Es ist nicht ganz billig, aber ich denke, das Artwork und
so gibt das her. Ist ne schöne Platte geworden.
Sogar die Pressemappe! Roof (die Plattenfirma)
scheint große Stücke auf dich zu halten.
Joaa doch. Aaber wir haben uns auch lange unterhalten, wie wir's
machen, damit das Ding rund wird. Es würde ja jetzt nichts bringen,
ein schönes Artwork zu haben für's Album und dann so Kartonagen
rumzuschicken, die einfach nach nichts aussehen. Oder gebrannte CDs.
Das sollte schon diesmal alles aus einem Guss sein.
Wo siehst du dich denn heute - wo ist dein Umfeld?
Tocotronic, Sterne, Kettcar oder die deutschen Sachen, die schon mal
auf !Live laufen?
Also von der Mentalität würde ich mich schon noch so "Hamburger
Schule" einordnen, aber mein Ziel ist natürlich, daß
es viel gespielt wird. Ich möchte, daß die Leute das hören.
Also kann man schon sagen, Sportfreunde Stiller oder so habe ich überhaupt
keine Probleme mit, sind nette Jungs und haben gute Songs. Problematisch
wird's bei mir immer, wenn die Texte sehr pathetisch werden
Es folgt noch ein langes Gespräch über seine Lieblingskünstler/Vorbilder
(David Bowie, Leonard Cohen, Robert Smith u.aa.), über Udo Lindenberg,
erste Konzerterlebnisse (Die Sterne im Planet), Videoshoots auf Fehmarn
einen 81jährigen amerikanischen Zauberer, der das Intro des Albums
spricht, darüber wie er auf Myspace einen Briefwechsel mit Julian
Lennon hatte, wie es ist, auf der Ringbühne bei Bochum Total zur
besten Zeit zu spielen, sein Studium an der Folkwangschule (elektronische
Musik) und vieles mehr. Allein, hier war das Aufnahmegerät voll.
Shame on me.
Frühstück mit Peter Krauskopf, Gastrokritiker
Wie wird man eigentlich Gastrokritiker? Peter Krauskopf war eigentlich
mehr als 20 jahre lang der Filmkritiker vom Dienst beim seeligen
Ruhr-Magazin Marabo, erst in zweiter Linie war er anfangs für
Restauranttexte verantwortlich. Als das Blatt vor einigen Jahren
eingestellt wurde, hatten sich die Gewichtungen schon soweit verschoben,
dass sein Interesse am Film von allem, was mit Koch-, Ess- und
Gastrokultur zu tun hat, in den Schatten gestellt wurde. Heute
schreibt er neben seinem täglich aktualisiertem Blog "genussbereit"
für das Wirtschaftsmagazin Ruhr und die periodischen Blätter
"Dortmund geht aus" und "Essen geht aus",
was vielleicht erklärt, warum er sich restauranttechnisch
in den großen Nachbarstädten besser auskennt als in
seiner Heimatstadt Bochum.
Ganz nebenbei organisiert er Veranstaltungen für das Ruhrgebiets-Chapter
von Slow Food, der "weltweiten Vereinigung von bewussten
Genießern und mündigen Konsumenten", und veranstaltet
Kochkurse an der VHS Herne, sein Ziel, die Förderung der
Ruhrpottküche, immer fest im Blick.
Wir trafen uns im Tucholsky zu einem verspäteten Frühstück,
um ein wenig über die Gastronomischen Qualitäten des
Bermuda3Ecks und des Reviers zu plaudern. Als das Frühstück
kam, musste es wie fast alles, was der Mann verspeist, erst einmal
fotografiert und später im Blog dokumentiert werden.
Was ihm, auf das Bermuda3Eck angesprochen, zuerst einfiel, befindet
sich erst noch im Bau. Dass hier nämlich ein Lidl entstehe,
sei eine Katastrophe! Gerade auf die Viktoriastrasse, wo alles
vom neuen Quartier der Kreativen träume, gehöre z.B.
ein "Basic"-Biosupermarkt, wie es ihn nicht nur in Dortmund
und Essen, sondern sogar in dem viel kleineren Hagen gäbe.
Überhaupt sei es ein Unding, dass es im 3Eck, in der Stadt
mit der grössten Uni des Reviers, nicht mal einen Öko-Bäcker
gäbe. Aber natürlich weiss der "Geniesser"
auch trefflich Lob zu verteilen: die Dönninghaus-Currywurst
vom "Bratwursthäuschen" habe mittlerweile völlig
verdient Kultstatus erreicht, und auch das "italienische
Frühstück" im Café Tucholsky fand durchaus
seinen Segen. Wer aber "ernsthaft essen möchte, muss
ins "Tapas". Die schöne, von Andreas Krämers
"Bodegas Rioja" inspirierte Weinauswahl und das nicht
üble Tapas-Angebot machen zuhausgebliebenen Spanienurlaubern
mächtigen Spaß."
Wenn er sich übrigens etwas wünschen dürfe, dann
wäre das ein "einfaches Restaurant, wo ein guter Koch
richtig gute Sachen kocht!."
Ben Redelings schreibt Fußballbücher ("Dem
Fußball sein Zuhause" u.a.), macht Fußballfilme ("Wer
braucht schon ein Sektfrühstück bei Real Madrid"), eine
Video-Fußball-Kolumne auf Spiegel Online, schreibt für Magazine
wie 11 Freunde, Reviersport und Spiegel Online. Und dann veranstaltet
er noch "Scudetto", den fußballkulturellen Abend, bei
dem er schon (fast) alle Revierfußballgrößen von "Ennatz"
Dietz bis "Ata" Lameck zu Besuch hatte. Und da Scudetto häufig
im Riff oder im Freibeuter stattfindet, haben wir ihm ein paar Fragen
gestellt.
Du
hast bei Scudetto häufig Ex-Fussballprofis zu Gast, nicht selten
sogar echte Legenden.
Kriegst du da häufig Absagen?
Dass ist das Schöne am Thema Fußball: Man tickt eigentlich
mit jedem auf einer Wellenlänge. Egal ob Yves Eigenrauch, Hermann
Gerland oder Klaus Fischer - sie sind alle gerne gekommen und es waren
- jeder für sich - wunderschöne Abende.
Von welchem Wunschgast weisst du, daß du
ihn niemals bei Scudetto begrüßen wirst ?
Ehrlich? Ich weiß nicht, ob es da jemanden gibt. Meistens kennt
man irgendjemanden über drei Ecken, der ein gutes Wort einlegen
könnte. Man müsste es mal auf einen Versuch drauf ankommen
lassen...
Das beste Fussballspiel aller Zeiten?
Ich finde meistens Momente in bestimmten Spielen sehr spannend. Aber
ein Spiel, das wirklich sehr viel auf einmal drin hatte, war definitiv
das WM-Achtelfinale 1990 zwischen Deutschland und den Niederlanden.
Das beste Spiel, das Jürgen Klinsmann wohl je gemacht hat. Und
dafür bin ich ihm heute noch dankbar!
Was hältst du von Frauenfussball?
Ich finde tatsächlich, dass er häufig sehr schön anzuschauen
ist - und das meine ich nicht nur wegen der tollen Fußballerinnen.
Man muss abwarten, ob er irgendwann auch seine eigene Geschichte und
seine eigenen Geschichten hat. Denn man darf nie vergessen: Fußball
ist für seine Fans weit mehr, als die neunzig Minuten auf dem grünen
Rasen!
Der aller-allerschönste Fußball-Song?
Och, da gibt es tatsächlich viel zu viele und keinen der am aller-allerschönsten
ist. In der richtigen Stimmung kann auch der Westfalia-Song aus Herne,
die Hitcollection eines Norbert Nigbur oder das BVB-Lied des Tatort-Kommissars
Dietmär Bär funktionieren. Aber das beste Stadionlied aller
Zeiten wird wohl immer Herberts "Bochum" bleiben!
Im Bermuda3Eck seit 1964
Universitätsbuchhandlung Janssen
Natürlich
stand das Bermuda3Eck vor 45 Jahren noch nicht einmal in den Kinderschuhen,
es war noch gar nicht daran zu denken, was aus dem Viertel einmal werden
würde.
So lange aber ist die Bücherei Janssen schon eine Institution in
Bochum, auch wenn sie sich damals noch nicht mit dem Titel einer Universitätsbuchhandlung
schmücken konnte, nahm diese doch erst ein Jahr später den
Lehrbetrieb auf.
Seit dem hat man sich in der Brüderstraße den Ruf erworben,
den Verkauf von Büchern mit besonders kenntnisreicher und kompetenter
Beratung zu betreiben, so daß der Laden allen Gefahren, wie etwa
dem Aufkommen der Groß- und Discountbüchereien und der Internetgiganten,
als auch der häufig prognostizierten Leseunlust der jugendlichen
Computerfans, trotzen konnte.
Allerdings ist der Verkauf allein bei weitem nicht alles, was die Familie
Janssen und ihr Team im Dienste des guten Buches im Sinn haben. Es gibt
nämlich gleich mehrere Projekte, mit denen sie in der Hauptsache
Kindern, aber eben auch deren Eltern, die Lust am Lesen nahebringen
und die Schwellenangst vor dem Betreten des Buchhandels nehmen wollen.
Zur Bücher-Schnitzeljagd etwa können sich in jedem
Jahr 3-4 Hauptschulklassen bewerben, die dann mehrere im komletten 3Eck
ausgehängte Plakate finden und die darauf geschriebenen Wörter
zu einem Spruch zusammensetzen müssen. Die ersten fünf Schüler,
die das Rätse lösen, erhalten ein Buchgeschenk, die anderen
immerhin den oftmals ersten Einblick in eine Buchhandlung und einen
spannenden Vortrag über Bücher vom Druck bis zum Lesen.
Ein
anderes Projekt, das von Janssen in Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei
finanziert wird, ist die "Lesetasche". In dieser findet
jeder Bochumer Erstklässler ein altersgerechtes Buch, das er behalten
darf und das seine Leselust schon früh wecken soll. In der Tasche
finden die Kinder dann auch gleich die Teilnehmegutscheine für
den ebenfalls mit der Stadtbücherei organisierten Malwettbewerb,
für den sie den Helden ihres Lieblingsbuches malen sollen. Zu gewinnen
gibt's - klar! - Bücher.
Übrigens werden nicht nur Lernanfänger zum Lesen animiert.
So stellt Janssen etwa die Vorabexemplare, die von den Verlagen zur
Information ausgeliefert werden, für eine bestimmte Zeit den Schülern
der 10. Klasse der Hans-Böckler-Realschule Bochum zur Verfügung,
unter der Bedingung, daß sie Rezensionen über das Gelesene
schreiben. Die Ergebnisse gibt's
hier.
Als wäre das alles nicht schon genug, hat Seniorchef Hans
janssen auch noch den Verein "Mentor - die Lesehelfer"
mitgegründt, der seinen Sitz natürlich (noch) in der Brüderstraße
3 hat . Durch die Ergebnisse der Pisa-Studien alarmiert, haben sich
hier Menschen zusammengefunden, die als Mentoren in die Schulen gehen
und einzeln und individuell mit Kindern von 7 bis 15 lesen üben,
mit deutschen Kindern genauso wie mit solchen mit Migrantenhintergrund,
die aus verschiedensten Gründen Probleme mit der deutschen Sprache
haben. Es handelt sich hier übrigens um ehrenamtliche Arbeit, selbst
Fahrtkosten werden nicht erstattet. Unter den Mentoren findet man neben
allerlei Lokalprominenz viele bereits pensionierte ehemalige Lehrer,
Ärzte oder Anwälte - allerdings ist ein akademischer Grad
hier nicht Voraussetzung, sondern einzig und allein die Freude an sprachlicher
Betätigung und die Bereitschaft, einem jungen Menschen zu helfen!
Dazu organisieren die Leute von Janssen - übrigens viele mit abgeschlossenem
Studium, vereinzelt gar promoviert - noch regelmässige Lesungen,
schreiben Rezensionen über besonders empfehlenswetre Bücher
und machen tausend andere Dinge - alles im Dienst des Buches!
Der Mann hat wenig Spass am "normalen" Kulturbetrieb.
Galerien böten zwar viele Annehmlichkeiten, hätten aber eben
auch ihre Nachteile. Deshalb mietet Detlef Vordenbäumen lieber
temporäre "Projekträume", um seine Kunst zu verbreiten
- oder eben das art Hotel Tucholsky!
Schonin
den 90er Jahren, als das ursprüngliche art Hotel auf der Viktoriastrasse
entstand, fragten ihn die damaligen Betreiber, ob er sich nicht vorstellen
könne, die Zimmer individuell mit Kunstwerken zu bestücken.
Vordenbäumen gefiel die Idee, und er suchte aus seinem schon damals
großen Bestand an Bildern für jedes Zimmer und die Gänge
die passende Kunst aus. 28 Kleinteilige, akribische Werke, die in ihrer
Gesamtheit betrachtet, an Geheimschriften, Mandalas, Kalligraphie, Hyroglyphen
und chinesische Schriftzeichen erinnern. Von all diesen Exponaten ist
in über 15 Jahren erst ein einziges Mal eins beschädigt worden:
ein zum Vandalismus neigender Hotelgast soll es mit einem Edding bekritzelt
haben.
Von Zeit zu Zeit nimmt der Künstler sich zwei bis
drei Stunden Zeit, um nach seinen Werken zu schauen. Doch meist muß
er nicht mal eins gerade hängen, so gut achten Hotelführung
und -personal selbst auf die Bilder.
Seit der Übernahme des Hotels durch Christian Bickelbacher
hängen auch im neuen Trakt (Kortumstraße) Vordenbäumens
Werke, Es wurden nach vielen, langen Stunden des Probehängens 51
Devocollagen (DEtlef VOrdenbäumen COLLAGEN) aus den Jahren 1986-98
integriert und Fenster bzw. Glasbausteine zu Lichtobjekten umgewandelt.
Durch anordnen, überlagern, verschachteln des Materials entstehen
in deiesen Devocollagen symmetrische als auch asymmetrische Kompositionen,
die den Eindruck von Komplexität und Gleichzeitigkeit vermitteln.
Obwohl manche Räume - etwa die Gänge - auf den ersten Blick
eher ungeeignet scheinen, schafft Detlef Vordenbäumen es immer,
Raum und Kunst zu einer untrennbaren Einheit zu verschmelzen.
Gelegentlich kommt es vor, daß Hotelgäste den
Kontakt zum Maler suchen, häufig seien dies "Kunstsammler,
die etwa durch die Triennale nach Bochum kommen und im art Hotel wohnen.
Das geschehe aber niemals von heute auf morgen, sondern in der Regel
lernten diese die Werke über mehrere Aufenthalte und längere
Zeit schätzen, bevor sie auf ihn zu kämen.
Detlev Vordenbäumen selbst ist übrigens ein
derart freundlicher Mensch, daß er sogar der verdutzten Putzfrau,
die wir bei unserer kleinen Besichtigungstour im Hotel trafen, den schweren
Müllbeutel in den dritten Stock trug.
...weil wir Lust hatten mal wieder richtige Prügelmucke
zu spielen.
5 Fragen an "Doris Klit"-Sänger Michael
Bohne
Doris
Klit ist sowas wie die inoffizielle Hausband des Intershops, wo sie
einmal im Monat vor meist voller Hütte Indie-Klassiker oder was
ihnen sonst so gefällt covern. Sänger Michael Bohne hat soeben
einen inoffiziellen Weltrekord im 5 einfache Fragen möglichst lang
beantworten aufgestellt. Hier ist das Interview.
1 Doris Klit -was ist denn das für
ein äh, komischer Name?
Der beschissenste Job bei einer Bandgründung ist die Namensfindung.
Das mal vorweg. Allerdings bei dieser Band, die aus einer reinen Laune
der Natur frustrierter mittelalter Musiker entstanden ist, war uns fast
alles egal. Ein paar von uns machen schon verdammt lange Musik, ein
paar unserer Freunde haben es im Musikgeschäft zu echten Größen
geschafft, wir eben nicht. Wenn Du lange genug mit Deinem eigenen Zeugs
im Bunker hängenbleibst und darüber alt wirst, endet das nur
noch beim Bierchen mit Freunden, denn nicht vorhandene Auftritte und
der Alltagsscheiß haben einen hohen Frustrationsgrad.
Ein Groteil der Band -Götz (Schlagzeug), Thomas (Bass) und Marius
(Gitarre)- hat bis vor kurzem in einer qualitativ hervorragenden Band
gespielt und es frustriert dann schon, wenn man sieht wie viele gute
Musiker nicht die Chance bekommen und wie viele Bands "gemacht"
sind. Meistens endet man dann in einer Coverband, um überhaupt
noch vor Leuten Musik machen zu können. Der Unterschied zwischen
uns un den anderen ist, das wir mit covern angefangen haben, weil wir
Lust hatten mal wieder richtige Prügelmucke zu spielen und einfach
Spaß zu haben. Der zweite Grund war, daß es unserer Meinung
nach viel zu wenig Live Musik in Bochum gibt. Und wenn Du in einigermassen
gut gefüllten Räumen auftreten willst, muss erst Partymucke
her, denn Dein eigenes Zeugs will erst mal keiner hören (stimmt
auch nicht immer, aber so der Gedanke). Der Intershop war ne coole Gelegenheit,
da fast der einzige Laden in Bochum mit Erlaubnis für Live Musik
und ich finde es großartig, das unsere Idee aufgegriffen wurde,
doch regelmässig Bands spielen zu lassen, egal wen und auch ruhig
zweimal im Monat.
Ich muss ja schließlich auch ACDC singen,
obwohl ich es nicht kann.
Das ist cool und tut was für die Kultur und -überraschender
Weise- meist ist der Laden immer gut gefüllt, egal wer spielt.
Und das muss weiter so gehen. Hut ab und Dnake dafür!
Aber zurück zum Namen...man kann nun also ne Partyband
machen. Schön glatt und perfekt...und, sorry, langweilig. Ich kann
die ganzen Chartbands nicht mehr hören, die Kids hören heute
so oder so nicht mehr "Sweet Home Alabama". Wir wollten einfach
nur Spaß haben und covern daher das, was uns gefällt, egal
ob Dave Matthews, James Brown oder Korn. Scheiß darauf was die
Leute mögen. Wir wollen uns selbst herausfordern. Wir machen damit
kein Geld, sondern produziern Spaß und daher auch der Name. Böse
Zungen behaupten der Vergleich Pamela Falcon und Doris Klit läge
nahe, so wie bei Nina Hagen und Jennifer Rostock :-). Und dann dachten
wir uns: immer einen anderen Namen zu benutzen wäre witzig. Und
da wir infantil sind, war unser erster Name "Judas Pricks".
Der zweite "Hans Schw. und Blasorchester", der dritte "Ina
Vag und Blasorchester" bis zu "Doris Klit und Blasorchester".
Lediglich das Logo war immer gleich. Aber drucktechnisch gab der Namenswechsel
wegen der Vorankündigungen Probleme und auch die Begriffe gingen
langsam aus ohne peinlich zu werden. "Pedro und sein Philharmonieorchester"
war noch im Gespräch, aber etwas zu hart vielleicht. Letztlich
werden wir erstmal bei "Doris Klit und Blasorchester" bleiben,
aber wer weiss...
2 Spielt ihr alle noch in anderen Bands?
Ja, fast. Die ober erwähnten Jungs hatten bis vor Kurzem besagte
geile Band namens "Pfingsten". Sarah (Gitarre), Thomas Schwester,
spielt noch in, glaube ich, zwei weiteren Bands, ich hab noch ne eigene
Band und Donata hat ja "Motosushi".
3 Gibt es Stücke, vor denen ihr solche Ehrfurcht habt, daß
ihr lieber die Finger davon lasst?
Hmmm....das hatten wir mal. Eigentlich hatte das Problem nur unser Schlagzeuger.
Der wollte zum Beispiel nicht Tool covern. Aber wir haben es getan und
es ist eines unserer besten Stücke. Da wir die Stücke ja auch
covern um zu lernen, sollte man sich also für nix zu schade sein.
Ich muss ja schließlich auch ACDC singen, obwohl ich es nicht
kann. "No Go's" sind allerdings "Stairway to heaven",
"Smoke on the water" und Konsorten. Das hat aber nix mit Ehrfurcht
zu tun. Manche Stücke klingen aber auch nicht. Wir haben mal "Enter
Sandman" von Metallica und "Beat It" von Fall Out Boy
gemacht und das klang einfach gar nicht mal so gut. Was eher an der
Instrumentierung liegt, die Stimme eingeschlossen. Denn "Smells
like Teenspirit" würde ich gerne machen, aber es ist einfach
zu hoch für mich.
4 Wie wär's denn mal mit 'ner Platte?
Sagen wir mal so: ja, wenn man mal was eigenes gutes macht. Bislang
haben wir nur eine eigene Version eines Stückes und zwar "Personal
Jesus" und die ist echt mal so geil, das wir sie auch aufnehmen
wollen.
Wir haben allerdings auch großartige Komponisten in der Band und
wer weiß, vielleicht nutzen wir ja mal das gelernte und harte
der Coverversionen und machen was eigenes...bevor wir in Rente gehen.
5. Wieso habt ihr weder Homepage noch MySpace-Profil?
Wei wir faule Säcke sind. Erst interessiert sich keiner für
Dich, dann plötzlich doch und dann heisst es "warum seid ihr
nicht im Netz?". Wir wollten eigentlich nicht in die große
weite Welt sondern schön einmal im Monat im Shop für ein Bierchen
gut sein. Aber, dank der Nachfrage, basteln wir grade an entsprechenden
Netzdarbietungen. Unsere Pläne für die Zukunft: weiter in
Bochum die Leute unterhalten, nächstes Jahr auf Bo Total wieder
NICHT auf Bühnen spielen (wir brauchen Euch nicht, liebe Leute
von Bo Total, das Betteln um Bühnenauftritte hat hiermit ein Ende
:-)) und mal im Süden auf Tour gehen (Süd Frankreich, Spanien)
oder so...und ein paar Aufnahmen machen. Es wäre schön, wenn
Bochum mehr Kultur im Sinne von Musikszene unterstützen würde
und es den Läden mit ihren scheiß Auflagen nicht so schwer
machen würden, Live Musik anzubieten.
Das kann man ja wohl nur unterstreichen - vielen
Dank!
Ideen hat doch jeder
Jiri Katter, Katter Furniture
Als
sein Vater dem 15jährigen Jiri Katter keinen Roller erlaubte, trug
dieser so lange Zeitungen aus, bis er genug Geld hatte, um ein Roller-Fanzine
herauszubringen. Das daraus entstandene Magazin "Motorette"
hat er später an einen Verlag verkauft. Er veranstaltete Messen,
war Deutschlands größter Kunststoffbecherverleiher, gründete
ein Label für Clubmusik und half dem Magazin Streetwear Today aus
den Kinderschuhen. Als er für den Bochumer Club "zeit und
raum" arbeitete und man ein brauchbares und formschönes DJ
Pult benötigte, entwarf er eins - und hatte die Weitsicht, zu erkennen,
daß es einen Markt dafür gibt. Und da Jiri an seine Ideen
glaubt und den Mut hat, sie umzusetzen, begründete er mit diesem,
seinem ersten Möbel, Katter Furniture.
Das Unternehmen verkauft zwar nur sehr, sehr wenige verschiedene
Produkte - nämlich insgesamt vier - aber die sind so formschön,
originell und einzigartig, daß sie weltweit ihre Kunden findet.
Eine Setbase etwa besitzen zum Beispiel Moby oder Inga Humpe von 2Raumwohnung.
Zu Jiri Katters Philosophie gehört es übrigens
nicht nur, alle Möbel in Deutschland fertigen zu lassen, er schaut
sich die Betriebe sogar alle höchstpersönlich an, denn nur
so kann er beurteilen, unter welchen Bedingungen dort gearbeitet wird.
Über die Jahre hat er rund um sein Büro in Bochum
ein erstaunliches Netzwerk aus Künstlern, Designern, Schreibern
oder einfach interessanten Typen aufgebaut, das zusammengenommen einen
ungeheuren Inspirations-Pool bildet.
Momentan brodelt's dort gerade wieder schwer unter der
Oberfläche - man kann wohl ruhig darauf wetten, daß ihm und
seinen Freunden auch zum Kulturhauptstadtjahr 2010 nicht die Ideen ausgehen
werden.
Sebastian 23
Ein Interview mit dem äh, König der Bochumer
Poetry-Slammer gibt's nach dem Klick.
The Women In Black
5 Fragen an das Krimiautorenduo Minck & Minck
Die beiden Bochumerinnen haben sich schon in allerhand
verschiedenen Betätigungsfeldern versucht - seit sie gemeinsam
die Romanfigur "Maggie Abendroth" erfunden haben, die immer
wieder in mit viel Lokalkolorit gesegnete Mordfälle schlittert,
geht's aufwärts! Das bisher ausführlichste Bermuda-Mailinterview:
Neulich durftet ihr bei einer Veranstaltung neben Helge
Schneider und Fritz Eckenga das Ruhrgebiet präsentieren
das war toll, oder?
Edda Minck: Vor allem war das noch gar nicht. Das ist
am 15 März in Kölle bei der lit.Cologne. Wir freuen uns sehr
darauf, und sind gespannt, wie die GROßEN Kollegen so drauf sind.
Lotte Minck: Um ehrlich zu sein, sind wir - ganz gegen unsere Gewohnheit
- sogar ein bißchen aufgeregt. Wir werden vor knapp tausend Leuten
auftreten, das ist für uns bisheriger Rekord. Und natürlich
empfinden wir es als Ritterschlag, zur lit.Cologne eingeladen zu sein.
Eure Lesungen finden gerne mal an ungewöhnlichen
Orten statt, z.B. beim Bestatter oder in einer Rotlichtkneipe
gibts auch Orte, wo ihr nicht lesen würdet?
Edda
Minck: Also ich würde sagen, nach dem wir in der Krümmede
unser Johnny-Cash-Live-Erlebnis bei einer Lesung hatten, kann uns wohl
so gut wie nix mehr erschrecken. Ich glaub, im Schwimmbad zu lesen wäre
wohl sehr anstrengend.
Lotte Minck: Gerade gestern haben wir erfahren, dass wir bei der diesjährigen
Criminale in Singen in der Feinkostabteilung des Karstadt-Hauses lesen
werden, nach Ladenschluss. Zwischen Kohlköpfen und Melonen-Pyramiden?
Zwischen Hummern auf Eis und Kaviar-Dosen? Wir sind gespannt wie´n
Flitzebogen. Ich kann Edda nur zustimmen: wir probieren alles aus und
sind hart im Nehmen. Obwohl - es gab da mal ein Erlebnis mit einer Lesung
in Bad Camberg ... aber das ist eine eigene Geschichte.
Eure Heldin Maggie Abendroth trägt einige autobiographische
Züge die anderen Figuren auch?
Edda Minck: Nein, auf gar keinen Fall. Wenn ich auch nur
einen von Maggie Abendroths Charakterzügen hätte, würde
ich mich erschießen. Das ist doch wohl sonnenklar, oder?
Lotte Minck: Natürlich räubern wir für unsere Figuren
manchmal bei Leuten, die wir kennen oder auf der Straße sehen
oder die im Café zwei Tische weiter sitzen. Aber niemand wird
Eins zu Eins abgebildet.
Wann wird Maggie endlich verfilmt?
Edda Minck: Tja, wenn wir das mal wüssten. Das hätten
wir schon gern, aber bislang hat noch keiner auf der Matte gestanden,
und wenn wir auf der Matte gestanden haben, hat keiner die Tür
aufgemacht. Aber das wird bestimmt noch.
Lotte Minck: Nur einen winzigen kleinen Euro für uns - jedes Mal,
wenn uns diese Frage gestellt wird ...
Und wer könnte sie am besten spielen?
Edda Minck: Sehr, sehr schwere Frage. Lustigerweise wissen
wir schon lange, wie alle anderen Rollen besetzt sein würden, aber
für Maggie machen wir dann ein großes Casting. Bei einem
dieser tollen Sender, die immer alles suchen: Superstars, Supermuttis,
Superdingsbumse... da suchen wir dann die Super-Maggie. Bei all dem
Geld, das dann durch das Zuschauervoting per Telefon und SMS reinkommt,
ist die Finanzierung für den ersten Film dann schon eingespielt.
Lotte Minck: Das stimmt. Für jede Figur haben wir jemanden im Kopf,
nur die widerspenstige Maggie macht es uns schwer. Vielleicht haben
wir einfach nur Schiß vor ihrer Reaktion. Stell Dir nur vor, sie
wäre mit unserer Wahl nicht einverstanden!
Leute, Leute
Thomas Brandt fotografiert (nicht nur) Menschen
Den
Mann, der auf dem Bild links irgendwann in den 70ern die Fotografie
entdeckt, hat seine Leidenschaft, die er längst zum Beruf gemacht
hat, bis heute nicht losgelassen. So unermüdlich, wie er schon
in den 80ern die Szene etwa im Cafe Sachs ablichtete oder in den 90ern
die Jazzmusiker im Café Du Congo, so schoss er in den letzten
Jahren für sein "Portrait Projekt 2005-2007" eine schier
unglaubliche Menge von Köpfen. Nach ganz persönlichen Kriterien,
"Freundschaft oder langes Bekanntsein, miteinander gearbeitet oder
Freizeit gelebt", entstand so als unkommentiierter Wust von daumennagelgrossen
Abbildungen ein sehr lebendiges Stück Szenegeschichte. Ein Riesenspass,
das Projekt auf der Suche nach Freunden, Bekannten oder einfach Menschen,
die man irgendwoher zu kennen glaubt, zu durchforsten. Fündig wird
man allemal!
Mehr von Thomas Brandt, etwa das vom vom Goethe-Institut
in Neu Delhi ausgestellte Projekt "die Ordnung", gibt's auf
www.brandtbilder.de.
Alles Handarbeit
Thomas Solecki und seine Bochumer Urtypen
Thomas Solecki ist mit Leib und Seele Fotograf. So sehr,
daß er seinen sicheren Job in der Autoindustrie hinwarf, um sich
ein Fotostudio aufzubauen. Über seinen Beruf kann er reden wie
der sprichwörtliche Wasserfall -man muß den Mann nur kurz
antriggern, schon sprudelt es aus ihm heraus: seine Vorbilder (Corbijn,
Leibowitz), Digital- oder Analogfotografie (analog, klar) seine Projekte.
Zum Beispiel seine mittlerweile stadtbekannten "Bochumer Urtypen"-Kalender,
in denen er Bochumer Urgesteine präsentiert, die seit mindestens
20 Jahren für ihr Geschäft stehen, "Lobo" Kerski
vom Intershop genauso wie Frau Annerose Libuschewski vom "Schuh-
und Schlüsseldienst Libuschwewski". Dabei ist der Schnappschuss
seine Sache nicht - alle seine Fotos sind streng arrangiert. Deshalb
liebt er es zwar, Bands und Künstler abzulichten, aber bitte nicht
im Konzert, da ist alles schon vorgegeben, da kann er nicht eingreifen.
Sein nächstes Projekt ist übrigens ein Bildband
über das Revier - aber erst wird das gerade angemietete Studio
renoviert!
Die
Homewreckers werden häufig mit Düsseldorf in Verbindung gebracht,
denn dort hat ihre Plattenfirma Unique Records ihren Sitz. Tatsächlich
kommen sie aber aus Bochum und Gelsenkirchen.
2008 haben die drei nach 13jährigem bestehen ihren
ersten, aufsehenerregenden Longplayer "American Ruhr" veröffentlicht
und seitdem ist schon manchem gestandenen Musikjournalisten aufgegangen,
was er da in dieser langen Zeit verpasst hat!
"Sensationelle Vorstellung von Johannes Ehmann, Gregor
Pottmeier und Krischan Wesenberg", urteilt die Raveline, und De-Bug
legt noch einen drauf:"Das wird mal ein Klassiker. Wächst
und wächst und wächst."
Die Art, wie die Homewreckers House mit Jazz, Funk, HipHop
und Techno verbinden, ohne jemals ausgetretene Pfade einzuschlagen,
ist tatsächlich einzigartig. Zusammen mit illustren Mitstreitern
wie dem umtriebigen MC Kemo und Cornelius Harris Labelmanager
der Detroiter Techno Legende Underground Resistance gehen sie
mutig auf's Ganze, erschaffen ihre eigene groovy Welt, protzen mit Referenzen,
und stellen sich am Ende locker auf eine Stufe mit ihren Vorbildern.
Der Mann fotografiert. Und fotografiert. Und fotografiert.
Für die Industrie, für kommunale Unternehmen, für die
Presse. Von Focus bis Welt Am Sonntag, von Bogestra bis USB, für
die Triennale genauso wie für das Schauspielhaus oder Universal
Music.
Aber wenn der Nikolaus ins 3Eck kommt, ist er am Start.
Denn am liebsten fotografiert er vor der eigenen Haustür! Zum Beispiel
im Bermuda3Eck: " Die Motive bei Bochum Total sind unvergleichlich
- die Szene ist so unglaublich bunt!" schwärmt er. Michael
Grosler hat auf seiner Homepage neben dem Portfolio sogar einen eigenen
Menüpunkt "Bochum Total" eingerichtet, der, sollte man
jemals einem Ausserirdischen erklären müssen, worum es bei
dem Festival geht, mehr als ausreichen würde.
Aber wenn der Nikolaus...